Es war zwar gerade mal die erste Woche nach dem Urlaub, und sie ging auch recht fix vorüber, aber trotzdem hatte ich an diesem Wochenende den unglaublichen Drang, mit Fred wegzufahren. Keine Ahnung, ob es das Autofahren an sich war – immerhin saß ich über 4 Wochen nicht mehr selber hinter dem Lenkrad – oder ob mich die eine Woche in KA schon wieder so genervt hat, dass ich einfach nur raus wollte. Weg. Was Anderes sehen. Nicht die Bäume in und um KA. Andere Bäume. Am liebsten in die Schweiz. Die schöne Vignette von 2017 ist ja noch gültig.
Verabredete ich mich also mit einer Kumpeline, mit der ich schon so oft stundenlang durch KA’s Wälder gelaufen bin. Aber erst wollte sie noch ausschlafen, so dass ich die Schweiz zeitlich vergessen konnte; und dann versetzte sie mich vollends, weil es ihr nach einer durchzechten Nacht nicht gut ging. Prima 🙁 ich weiß, warum ich so gern lieber alleine losziehe….

Also ab auf die Autobahn. Allein.
Im dichten Nebel fuhr ich Richtung Süden. Nach einer 30minütigen Fahrt durch eine Nebellandschaft ohne Landschaft fuhr ich in eine dichte Nebelwand ganz ohne Sicht. Huch. Und noch bevor ich darüber nachdenken konnte, ob ich mein Tempo verringere oder die „NebelLampe“ anknipse oder nicht, befand ich mich in einer wundervoll bunten, von der Sonne unter blauem Himmel angestrahlten, bergigen Landschaft, dessen Gras und Pflanzen  am Straßenrand noch voller Frühtau hing. Zeit, die Autobahn zu verlassen.
Anfangs fuhr ich an Kies-, dann an Holzwerken vorbei, bis die Straßen schlängelnder wurden.

Mit jeder weiteren Ortschaft, die ich durchfuhr, wurde es touristischer.

Ich landete im Reich der KuckucksUhren und schließlich in Triberg.

Hier fällt Deutschlands größter Wasserfall aus über 800 m ins Tal. Und genau das wollte ich mir nun ansehen.
Ich parkte in einem Parkhaus mit folgendem Hinweisschild:

– und durfte auch direkt erfahren, warum: In einem Parkhaus, in dem kein natürliches Licht einfällt und somit mit Kunstlicht gearbeitet wird, entstehen auch keine Schatten. Wie kann man dann weiße Pfeiler (die Deckenträger) vor knallweiße Wände stellen? Männer!!!

Ich wechselte mein normales Schuhwerk gegen meine Wanderboots und stiefelte los.

Wunderschöne Häuschen findet man hier – wenn da nur nicht Dönerbuden das Bild verunstalten würden.

Die Wasserfälle sind direkt vom Stadtkern aus begehbar. Über den sehr steilen Anstieg – man konnte zwischen steilem und arg steilem Aufstieg wählen – erklomm ich die ersten 4 von 7 Hauptstufen des Wasserfalles..

Überall saßen lustige (amerikanische, also unechte) Pinselohren und knabberten oder versteckten die mitgebrachten Erdnüsse der Besucher. Zwischendrin hüpften aufgeregt Vögel umher, die ich so noch nie in freier Natur gesehen habe. Sehr schöne kleine und größere bunt gefiederte Vögel habe ich entdecken und beobachten können. Leider waren viele Besucher, die sich natüüürlich für Naturliebhaber hielten, nicht wirklich auf die Natur sensibilisiert. Sie latschten einfach drauf los, ob da ein wunderschöner blauer Vogel sich gerade ein Krümelchen vom Weg pickte oder nicht. Alle wollten nur Wasserfall und Eichhörnchen sehen. Für mehr reichten ihre Blicke nicht.
Ich ließ mir Zeit und unterbrach zwischendrin den Aufstieg, weil mich die koreanischen und syrischen Wanderfreunde nervten – und zog zum Bergsee. Ruhe.

Auf dem Rückweg beobachtete ich Kinder, die auf dem Baumwipfelpfad angegurtet ihren Weg  erkletterten.

Wieder am Wasserfall angekommen, stiefelte ich bis zum oberen Ende. Dort waren auch einige buntgefiederte Piepmätze am Picken. Sehr schön anzusehen, wenn nur nicht die NaturBanausen gewesen wären, die sie mit ihrem Gestampfe und lautem  Krakelen kurzzeitig ständig verjagten.

Nach meinem Abstieg schlenderte ich etwas durch den Ortskern und in das Haus der 1.000 Kuckucksuhren, in dem jede Uhr anders ging.

So rief immer irgendein Kuckuck aus seinem Verschlag, oder es erklang eine Melodie. Sehr hübsch. Danach mit einem Eis in der Hand zurück zum Fred, Schuhwechsel und ab auf die Straße zurück nach KA. Und weil auf den Autobahnen überall Stau war, rollte ich gemütlich die komplette Strecke für ca. 2.5 Stunden auf den Landstraßen durch die schönen Landschaft.

Lustig, was man dabei so entdeckt… einen VW Käfer mit Schwarzwaldbommelhut auf dem Dach, kleinere Burgen, die sicher eine große Geschichte haben, lustig wirkende Lokale, DDR-Ampelmännchen in der Ampel an einer Straßenkreuzung in Rastatt, Elefanten-Springbrunnen vor einem Autohaus, Bananenplantage als Hecke, große Fächerpalmen im Vorgarten.

Auch wenn Triberg ganz sicher zu den nervigen touristischen Hochburgen zählt, so war es trotzdem ein schöner Ausflug.

Und dass ich wieder allein unterwegs war: damit habe ich nun wirklich kein Problem. Ich mag das! Okay, zu zweit hätte man sich wahrscheinlich Zeit für einen Kaffee und Schwarzwälder Kirschtorte genommen, aber die mag ich eh nicht. Das Eis „auf“ die Hand war völlig okay.
Und keiner quatscht mich zu. Niemand meckert über meine Fahrweise oder ungeplante Zwischenstopps. Ich kann tun und lassen, was ich will. Träumen. Nachdenken. Relaxt in die neue Woche starten….

7 Gedanken zu „Sonntagsfahrer

  1. 😀 ich werde ganz leise sein hihihi… Versprochen!

    Sehr schön da. Meine Oma hatte auch eine Kuckucksuhr, weiß gar nicht wo die ab geblieben ist und ob das eine Echte war. Ich mochte sie, als Kind!

    Weißer Pfeiler vor weißer Wand, das ist aber auch voll gemein :-/.

    • Hmmmm…. trau mich gar nicht zu sagen, wohin ich nächstes WE fahre.

      • Ich glaube das hast du mir bereits gesagt … bin mir nur nicht mehr ganz sicher. Gute Fahrt und heil nach Hause kommen!

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