Schon einmal mit RyanAir geflogen?

Gebucht habe ich vom Baden-Airpark, das ist ein ganz kleiner Flughafen mit einer einzigen Halle, aber immerhin nutzte die Concorde auf ihrem Pensionsflug hier ihre letzte Landebahn.

Ich saß also schon frühzeitig dort rum und wartete darauf, wie dieser noch völlig leere Flughafen mit jedem neu ankommenden potentiellen Passagier zum Leben erwachte. Irgendwann machten sogar die beiden einzigen Souvenir-Geschäfte auf, und ich wanderte zum Check In. Dort sagte ich mein Passwort und schon erhielt ich eine Bordkarte. Wow, da kann ja eigentlich jeder kommen, der vorher in meine Papiere geluchst hat. Danach hieß es für mich wieder warten und ich füllte meinen „dicken“ Joghurtbauch mit etwas Multivitaminsaft. Das sollte dann auch für die nächsten 7 Stunden das letzte sein, was mein Magen sah.

Das Boarding sollte um 09.15 Uhr starten, begann aber erst so gegen 09.35 Uhr. Bei RyanAir ließ man sich eben Zeit. Wahrscheinlich würden sie den Flieger ordentlich putzen und außerdem hatten sie ja schon alles so perfekt vororganisiert. Links durften die zu bevorzugenden Passagiere stehen. Das waren die, die elektronisch von daheim schon eingecheckt hatten – leider war mir das ja nicht vergönnt. Und rechts sollten alle übrigen Passagiere sich in eine Reihe aufstellen. So konnte man also vermutlich Zeit sparen.
Das war ein Satz mit X, nämlich niX ! Die E-check-in-Leute hatten ihre Bordkarte auf normalem Papier ausgedruckt und dieses musste nun im unteren Teil abgetrennt werden, damit die RyanAir-Leute auch wussten, wer schon an Bord saß und wen man hätte vielleicht noch aufrufen sollen, was ja eigentlich logisch ist.
Nun hat normales Druckerpapier aber keine Falz, um sich besser trennen zu lassen. Also legte die RyanAir-Tante im Stehen jedes A4-Papier auf ihren Oberschenkel und trennte fein säuberlich – so weit dies möglich war – das untere Drittel ab. Wozu direkt neben der RyanAir-Tante der übliche Boarding-Tisch stand, auf dem sogar eine Schere lag, weiß ich nicht.
Hat jemand vielleicht eine Vorstellung ??

Nach dem da so viele E-check-in-Leute abgefertigt wurden, sah ich „meinen“ Fensterplatz schon belegt und irgendwie war mir nach dieser ganzen Abreißaktion auch alles egal, ich wollt nur noch sitzen. Ich durfte von den „Normalos“ als Zweite zum Bus stiefeln und dachte mir, wenn das mal kein Nachteil ist. So von wegen, „die letzten werden die ersten sein“!
Am Flugzeug angekommen, watschelte ich direkt zum hinteren Einstieg und siehe da, meinen Wunschplatz wollte irgendwie keiner, und so saß ich in der letzten Reihe am Fenster. Ich legte meinen Rucksack unter den Vordersitz, weil da mein Portemonnaie drin war und ich auch das Gedränge an den Gepäckablagekästen mir sparen wollte. Ja, ich könnt jetzt auch schreiben, „das mach ich immer so“, das würde der Tatsache eher entsprechen !!!
Meine Jacke zog ich aus, da war meine DigiCam drin und diese legte ich – auch wie immer – auf meinen Schoß, nachdem ich mich angeschnallt hatte.

Und dann betrachtete ich erst einmal ausgiebig dieses Flugzeug. Na sowas hatte ich noch nicht gesehen. Meine Herren, wie hübsch… :DD alles in royal blau / knallgelb gehalten. Sehr schöne Farben !
Und die Ausstattung… was war das denn??? Bin ich doch davon ausgegangen, dass die so viel Zeit brauchten, weil sie den Flieger hübsch putzten. Dabei haben sie dem Anschein nach mehr Zeit vergeudet, um den Flieger wieder trocken zu kriegen – von innen versteht sich.
WEIL
Der Boden war nicht mit Teppich ausgelegt, sondern mit Linoleum, in royal blau versteht sich.
Die Sitze waren nicht mit Frotteestoff wie gewöhnlich, nein, aus royal blauem Leder.
Die Lehne aus royal blauem, die Kopfstütze aus knallgelbem Plastik.
Die üblichen Taschen in den Lehnen fehlten komplett, Müll hinterlassen konnte man also gar nicht. Die Magazine wurden ausgeteilt und vor dem Landeanflug wieder eingesammelt.
TV oder Kopfhörerbuchsen gab es selbstverständlich auch nicht, Sparmaßnahmen.
Die Sicherheitshinweise mussten in die knallgelben Kopfstützen eingearbeitet werden, weil für Prospekte ja keine Tasche vorhanden war. Das fand ich aber gar nicht mal so unpraktisch.

Die Kotztüten bekam man nur auf Nachfrage, im Zweifelsfall konnte ja anschließend nass gewischt bzw. wohl eher komplett alles mit einem Schlauch ausgespritzt werden.
Aber auf jeder einzelnen Gepäckablageklappe war riesengroß RyanAir-Werbung, natürlich in royal blau und knallgelb, man wurde schon fast blind.

Irgendwann kam ein Steward, fragte nach meinem Gepäck und ob ich auch tatsächlich angeschnallt sei und schaute böse auf meinen Schoß, auf dem meine Jacke lag. Ich ehrliche Haut, zeigte auf meinen Rucksack zu meinen Füßen und hob die Jacke an, damit er sah, dass ich auch wirklich angeschnallt bin. Oh je… 😳
Der Rucksack musste in die Gepäckablage und die Jacke musste ich anziehen oder aber auch in die Gepäckablage legen. Dann jedoch wäre ich wohl auch meine DigiCam losgeworden, von wegen batteriebetriebenes elektronisches Gerät – da hatten sie vorher schon böse schauend drauf hingewiesen, als sie den mp3-Player sahen. Also zog ich die Jacke an und brummelte beleidigt vor mich hin.

Dann erschienen 3 Stewards – Stewardessen gab es auf diesem Flug nicht. Und allgemeine Sprache war schnell genuscheltes Englisch !!! Die 3 Stewards jedenfalls waren bewaffnet mit einem Prospekt, so wie man es in der Kopflehne vom Vordermann direkt vor der Nase hatte, einer Sauerstoffmaske sowie einer Schwimmweste. Schließlich ging der Funk an und die 3 Stewards machten sich der Ansage folgend voll zum Affen. So eine Art Synchron-Gymnastik für Arme…
Ich hab mich nicht getraut zu fotografieren, fand es aber sehr witzig. Einzig neu war, dass die Schwimmwesten oberhalb und nicht unter dem Sitz zu finden waren.
Bei RyanAir ist eben alles anders.

(Foto ist auf dem Rückflug entstanden)

Der Flieger fuhr los, hob ab und fing an zu fliegen. Ich bin Vielflieger und Gerneflieger, aber so viele Kurven ist bisher noch kein Flieger mit mir geflogen. Ich weiß nicht, ob das Navigationssystem versagt hat (nach London geht es einfach nur Richtung Norden) oder ob die ein neues Shampoo für den Flieger testen wollten. Es blieb letztlich wohl alles trocken und sauber, die Nachfrage nach den vielgepriesenen Tüten hielt sich gering. Mag daran gelegen haben, dass auf dem Flug zwar Getränke und Snacks serviert werden, allerdings nur mit dem notwendigen und vor allem passenden! Kleingeld. Und wer mit RyanAir fliegt, dem kann ruhig Geiz nachgesagt werden, sonst würde man wohl eher eine andere Airline nehmen und mit besserem Service direkt in die City fliegen, nicht in die Pampa – aber das wird eine andere Story.

Irgendwann kam der Wagen mit den Tickets für den Stansted Express durch. ABER ich kam nicht an meinen Rucksack. Zum einen saßen neben mir 2 Passagiere, die eine davon kreidebleich und unfähig, sich zu rühren. Es war zu riskant, hier einen Flüssigkeitsverlust dieser Person in meine Richtung zu riskieren. Immerhin hatte ich nur Handgepäck, also nicht wirklich viel Wäsche zum Wechseln zur Verfügung. Zum anderen war mein Rucksack 5 oder 6 Gepäckablagen von mir entfernt, ich wusste nicht einmal wo genau er war, weil der Steward ihn mir ja abgenommen hatte. Aber darin befand sich mein Geld. Nichts zu machen, ich konnte nichts kaufen. Günstige Tickets adé !!! MIST !!!
Im nächsten Moment kam mir dann aber der Gedanke, dass RyanAir die Tickets ja wohl nicht soo günstig verkaufen würde, zu verschenken haben die sicherlich nichts. Weit gefehlt.
Ich habe für meine Gleichgültigkeit und Dummheit, mein Geld nicht ständig bei mir tragen zu wollen, ziemlich hartes Lehrgeld zahlen müssen. Im Flieger gab es die Tickets für 26 Euro, ich hab sie auf dem Flughafen für 26 Pounds erworben, das ist fast der doppelte Preis – holla.

Meine Fotos vom Flieger habe ich übrigens nur in den kurzen Momenten machen können, wenn auch die Stewards bei Start und Landung angeschnallt sitzen mussten.

Dann kam der Höhepunkt von RyanAir, die Landung. Die war unspektakulär mit einer guten Vollbremsung kamen wir sogar zum Stehen. Aber dann…
Diese dummdusseligen Touristen, die nach dem Aufsetzen der Maschine sich mit dem Beifall beim Piloten fürs heile Herunterbringen bedanken, kennt ja wohl jeder. Okay, das fiel hier aus – wie beruhigend !!! Ich finde das nämlich albern: bei mir steht auch keiner im Büro und klatscht Beifall, wenn ich irgendeine Arbeit gut hinbekommen habe – und Trinkgeld bekomme ich ja auch nicht, Prämie eh nicht.

ABER was dann plötzlich an Bord abging, ich hab nur noch mit dem Kopf schütteln können und war somit die unfreundlichste Passagierin dieses Fluges, zumindest in den Augen der Stewards.
Es erklang eine Fanfare… eine englisch klingende Fanfare – megalaut !!!
Es erklang Beifall aus den Lautsprechern, aufgenommen irgendwann.
Es erklang eine männliche Stimme „Welcome to London“.

Ich hatte keinerlei Fragen mehr, ich wollte einfach nur noch raus, um frei laut lachen zu können. Doch das ging ja leider nicht, ich hockte auf meinem Platz und schüttelte nur den Kopf. Ich beobachtete die anderen Passagiere und die waren völlig begeistert 🙄
So viel Selbstherrlichkeit, Selbstverliebtheit. So viel Stolz, Nationalstolz – oha !!!

Tja, das war mein Flugerlebnis mit RyanAir. Und ich war ehrlich 51 Stunden lang voll spannender Erwartung, was mich wohl auf dem Rückflug für ein Trauermarsch aus den Lautsprechern auf dem deutschen Rollfeld begleiten würde !!!

Nach besagter Zeit und angenehmer Landung auf dem kleinen deutschen Flughafen ertönte lediglich die Fanfare und ein männliches „Welcome“. Das wars… Mehr war nicht drin.

Also ganz ehrlich: Ich würd RyanAir jeder Zeit wieder buchen, „Geiz ist geil“ – oder wie war das??? Nur schade, dass es dann nicht mehr so witzig wird, weil man alles schon kennt.

2 thoughts on “Flieg doch mal mit RyanAir

  1. Hey, genau dasselbe habe ich auch erlebt. Hast Du total anschaulich beschrieben.
    Allerdings gibt es bei Ryanair auch Stewardessen. Ich habe welche gesehen. Die Kostüme von denen sind aber nicht sehr hübsch.
    Ich stimme Dir zu, ich würde auch jederzeit wieder mit Ryanair fliegen.

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