Also gelesen hatte ich ja nun schon viel von der Londoner Tube und ihren Gefolgen, doch am letzten Wochenende durfte ich nun selbst super viele Eindrücke dieser genialen Verkehrseinrichtung gewinnen. 🙄

Allgemeine Hinweise und Informationen zur Londoner Tube erspare ich mir an dieser Stelle, ich werde mich lediglich auf mein kleines „Abenteuer“ beschränken.

Kurzbeschreibung:
Zur Underground laufen, Farben suchen, Farben finden, sich für Ost oder West entscheiden und schließlich der ausgewählten Farbe folgend durch die Gänge rasen, Rolltreppen benutzen und am Steig warten. In den heranbrausenden Zug einsteigen und darauf gefasst sein, dass sich dieses schnelle Ungetüm sofort wieder in Bewegung setzt. Festhalten, mit der Bahn im Takt schaukeln und die Leute beobachten. Warten, bis das Monstrum zum Bremsen ansetzt. Dann noch einmal seinen Stand festigen, sonst könnte man weit fallen, entweder mit weicher Landung auf dem Schoß der Mitreisenden oder aber hart auf dem Fußboden :'(

Hört sich normal an, ist es aber nicht, wenn man sich damit ausführlich beschäftigt.

Das Fahren mit der Underground habe ich mir am letzten Wochenende – innerhalb von 50 Stunden – zum Sport gemacht. Das sah dann in etwa so aus:

In Liverpool Street Station mit dem Stansted Express angekommen, Traveler Card gekauft, und los ging es. Auf der ersten Fahrt ließ ich mich einfach überraschen: alles was ich wollte, war gelb. Zufälligerweise wählte ich Westbound und somit brachte mich die Circle Line Richtung Kings Cross/St. Pancras. An der Station Richtung „Way out“, Sightseeing und später wieder rein in den Keller. Wieder die Farbe gelb gesucht und diesmal bewusst Westbound gewählt, weil zurück wollt ich ja nicht. Ab in die Bahn und so ging es weiter mit den Zwischenstopps in Baker Street, Paddington, Notting Hill Gate, Westminster. Ab da hielt ich mich für so fit, dass ich mich beim nächsten Undergroundbesuch auch auf andere Farben konzentrieren konnte. Hey, das klappte alles perfekt, ich verfuhr mich nie und hatte wirklich Spaß daran, durch die Katakompen zu laufen, Treppen und Rolltreppen zu benutzen und mich an den Pinselstrichen an den Wänden zu orientieren. Was machen hier eigentlich farbenblinde Menschen ???

Ab und an war das berühmte „Mind the Gap“ zu hören, allerdings fand ich es eigentlich völlig überflüssig. Ich habe zwar nicht wirklich eine Model-Figur, aber selbst wenn ich diese hätte, wäre ich sicherlich nicht zwischen die Lücke getappst.

Beobachtet habe ich die vielen Underground-User nur all zu gern und mit großem Erstaunen. Leider war nicht immer genug Zeit, weil die Underground super fix ist. Da gab es die außerordentlich Beschäftigten, dann die Gelangweilten, die Genervten und die Touristen – aber alle hatten mindestens eines gemeinsam. Sie waren bestens technisch ausgestattet. Jeder fummelte an seinem Handy oder an seinem mp3-Player herum. In allen Farben, von sämtlichen Firmen. Welch Vielfalt… Auf jeden Fall konnte man die Engländer gut von den Touris unterscheiden: draußen, also oben auf den Straßen von London waren es ca. 14 Grad, blauer Himmel und Sonnenschein. In der Underground war es sicherlich wärmer, aber muss man deswegen ohne Strümpfe und mit kurzer Hose und kurzem Shirt und ohne eine Jacke mit sich zu schleifen, herumlaufen??? Fasziniert hat mich auch der Anblick einer dunkelhäutigen Schönheit mit dicken Fellstiefel und modisch zerrissener Jeans. Zerrissen insoweit, als dass beide Knie bis zu den Oberschenkeln im freien saßen und auch die Oberschenkel bis zu den Pobacken luftig anzuschauen waren. Irgendwie muss es ein seltsames Tragegefühl gewesen sein, weil die braune Schönheit beim Aufstehen doch tatsächlich an den Jeans-Löchern zupfte. Irgendwie musste ich dies auf ein Foto bannen, was mir natürlich, rein zufällig und wirklich gar nicht beabsichtigt, beim Spielen mit meiner Digicam gelungen ist.

Die Fahrten mit der Underground unbeschadet zu überstehen, gelang mir auch – fast. Denn als ich am nächsten Morgen – nun nicht mehr allein unterwegs, – die Underground benutzen wollte, passierte es, bevor es überhaupt los ging. Soviel dann zu voller Konzentration, wenn zwei Frauen nur am Quasseln sind. Nur noch kurze Blicke auf Farben und Richtungen á la „ich kenn mich aus“ werden eben sofort bestraft. Irgenwie fiel mir super plötzlich ein: hey, mit der Bahn, die da grad noch so gelangweilt steht, könnten wir auch fahren. Doch irgendwie war diese schon stoppenvoll. Also nun auf die Schnelle eine Tür finden, wo zwei Frauen hineinpassen. Allein quasselt es sich nämlich so schlecht – auch in der Underground !!!
Ich lief also los und spurtete in die Bahn… und dann passierte es … die Tür schloss. Und mein Kopf hing noch dazwischen – AUUUUAAAAAA !!!
Haben die denn keine Lichtschranken, damit so etwas nicht passiert ???
Nein !!! Haben sie nicht. Sollst ja auch nicht mehr in die Bahn springen, wenn man trotz des Quassellärms der Engländer irgendwelche summenden/piepsenden Töne hört !!! Die Engländer schauten erst auf meinen Kopf, den ich mir immer noch rieb und dann auf mich. Auf deren Stirn lief die Rundumleuchte mit dem Text „Selbst schuld, du dumme Tourine“
Dass meine Begleiterin den Spurt in die Bahn erst gar nicht geschafft hatte, bemerkte ich erst später, konnte ihr aber noch einen Daumen für „eine Haltestelle“ zeigen.

Ich finde, die sollten statt „Mind the Gap“ switchen auf „Mind your head“

2 thoughts on “Mind the Gap

  1. …ob wohl noch Bilder folgen? Liest sich eeeeecht Klasse, danke für den netten „virtuellen Ausflug“ 😉

  2. Ich hoffe doch, dass ich das irgendwie schaffe mit den Fotos, denn davon hab ich mehr als genug 🙂

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