Einige Wochen und Monate zuvor suchte ich bereits nach einem günstigen Fahrpreis für die Strecke Nord-Süd mit der DB für Mutti. Doch trotz aller Ankündigungen derselben ließ sich kein preiswerter Fahrschein als die veranschlagten und leider nicht kleiner werden wollenden 190 (T)Euronen finden.
190 € für eine 5-stündige Strapaze mit einem Mal Umsteigen in einem Gefährt, wo meist weder Klimaanlage noch Heizung funktioniert und das blecherne Ungetüm an sich meist nie pünktlich ist… Vergleiche ich da meine in letzter Zeit getätigten Flüge, werde ich das Gefühl nicht los, dass die Preise bei der Eisenbahn in keinem Verhältnis zu irgendetwas stehen, sondern einfach nur überzogen sind. Nach Berlin waren es bspw. 80 €, nach Mallorca 140 €, nach Barcelona 130 € (jeweils hin und zurück – und das nicht mit Billigfliegern!!!).
Somit blieb nur die Alternative, ins eigene Auto steigen und hoffen, dass die Brummifahrer auf A5 und A7 mal ausnahmsweise wach sind.

Zum Glück lief alles prima, und so konnten wir am 01.05.2014 bei „Nacht und Nebel“ aufbrechen zur Mutti-Kind-Geburtstagstour. Diese hatte ich mir Wochen zuvor in mühseliger, aber wirklich viel Spaß bringender Kleinstarbeit zusammengestellt, entsprechende Schlafplätze gebucht und den Navi-Yoda auf diverse Parkplätze programmiert.

Nach einigen Stunden auf der Autobahn nahm ich gleich nach Genua die Küstenstraße und bestaunte jeden einzelnen Ort, den wir durchfuhren mit vielen „aaahs“ und „ooooohs“. Nach 8 Stunden Fahrt insgesamt bekam ich einen ersten Eindruck über die Parkplatzsituation in Italien. Denn alle Programmierungen nützen nichts, wenn die Parkplätze keinen freien Platz für meinen großen Fred mehr hergeben. So fuhren wir einen Ort zurück nach Recco, stellten Fred in die Sonne und legten los zu einem Fußmarsch nach Camogli und wurden belohnt mit einem zauberhaften Blick auf die Küste, die Berge und die entzückende Stadt Camogli. Es war Feiertag, und so waren alle Familien am Strand, spielten mit ihren Bambinis oder kreischten vor Kälte und Freude mit ihnen zusammen im blauen Wasser des Mittelmeeres. Camogli ist wirklich ein bezaubernder Ort, der zur Cinque Terre gehört. Hier würde ich jederzeit wieder einen Zwischenstop einlegen wollen.


Einfach nur schön!!!


So ein buntes Bilderbuchwetter hatten wir nur am Meer

Von Camogli ging es weiter an der Küstenstraße entlang bis zu unserem ersten Nachtlager – Sestri Levante. Nach dem EinChecken und Auffrischen in der „VillaPozzi“ fuhren wir direkt wieder los. Natürlich waren meine programmierten Parkplätze überfüllt, und so gönnten wir Fred eine Ruhepause im kühleren Parkhaus, nachdem wir das derzeit nicht richtig funktionierende ParkhauskassenModell verstanden haben.


Sestri Levante liegt an zwei Buchten. Die größere der beiden, die „Märchenbucht“ hat einen langen Strand; die kleinere, „Bucht der Stille“ lädt zum Relaxen ein. Genau zwischen den beiden Buchten kann man einen etwas höheren Berg erklimmen, um auf beide Buchten zu schauen (man kann, sofern man eine Bergziege mimt…)


Was mich allerdings enttäuschte – lacht mich bitte nicht aus! – ich hatte mich noch nie damit beschäftigt -, dass die Häuser gar nicht sooo sehr mit Stuck verziert sind, sondern… es ist vieles einfach nur aufgemalt. Einfach aufgepinselt.

Natürlich wurde auch in Sestri Levante der Feiertag turbulent begangen, und so waren viele italienische Papis mit ihren Bambinis am Strand oder auf den bereits überfüllten Spielplätzen am Toben. Es war toll, zu beobachten, wieviel Spaß sie dabei hatten. An einem größeren Platz gab es von vielen Zuschauern bejubelte LiveMusik. Nach einem Stadtbummel und 2x super leckerem TiramisuEis fuhren wir wieder in unser einfaches Nachtlager und waren glücklich, als wir die Füße endlich hochlegen konnten. Unser Abendessen waren Hasenbrote 🙂

Am 02.05.2014 klingelte früh der Wecker, und so standen wir ziemlich schnell nach dem Frühstück und dem AusChecken wieder auf der Straße. Leider regnete es schon den ganzen Morgen, und es sah nicht nach einem sonnigen Ende aus. Wir fuhren in Richtung Carrara. Dort angekommen, hatte ich mehrere Wegbeschreibungen zum Marmor-Abbaugebiet, welche jedoch mit einer sehr engen und kurvigen Straße den Berg hinaufführen sollte, an denen schon viele AutoSpiegel ihren Tod fanden. Als jedoch vor und hinter mir zwei recht zügig fahrende marmorverstaubte LKW auftauchten, dachte ich mir, denen muss ich nur hinterherfahren, dann komme ich unbeschadet an mein Ziel. Gesagt, getan. Leider wurde mir diese Praxis an einem Kreisel mit 5 Ausfahrten zum Verhängnis. Die beiden LKW veralberten mich. Einer zog in der 3., der andere in der 4. Abfahrt raus. Da die 4. Abfahrt jedoch nur für LKW bestimmt war, schlenderte ich eine weitere Runde im Kreisel und nahm die 3. Ausfahrt. Doch mein LKW war weg. Mist. Abgehängt. Bitte wenden… So fuhr ich erneut in die City of Carrara und entdeckte vor mir einen Reisebus. Neues Spiel, neues Glück. Und tatsächlich. Dieser Reisebus hatte das gleiche Ziel wie ich und gab sich mit einigem Gehupe in den Serpentinen auch als mein Airbag aus. Ich brauchte nur noch in aller Ruhe dran zu bleiben. Am Ziel angelangt, bestaunten wir die riesigen Marmorblöcke und -berge und das Gewimmel der winzig wirkenden Abbaumaschinen und LKW. Als sich die Reisenden zu ihrem Reisebus trollten, machte auch ich mich startklar zum Losfahren. Doch leider hat der Reisebus etwas anderes vor. Er wollte noch weiter hinauf in die Berge. Zufällig tauchte im Rückspiegel ein marmorverstaubter Jeep auf, den ich großzügig vorbeiwinkte und so wiederum als Airbag benutzte 🙂


Carrara Marmorberge; Alte Eisenbahnbrücke


Mein Airbag und Fred

Von Cararra ging es nach Lucca. In Lucca fanden wir einen guten Parkplatz am Bahnhof, und so schlenderten wir durch das Stadttor ins Stadtinnere, um gleich die Stadtmauer zu erklimmen, auf der wir ein Viertel der Stadt umrundeten.


Nach dem Abstieg kreuzten wir sehr schöne breite und faszinierend schmale Gassen, bis wir zur Piazza Anfiteatero gelangten. Sooo schön.


Auf den Turm mit den beiden Eichen flitzte ich allein. Ich selbst, aber auch andere Besucher staunten nicht schlecht, wie fix ich den Turm erklomm. Bin halt doch eine Bergziege.


Oben angekommen genoss ich die schöne Aussicht auf die Dächer der Stadt und das Umland. Nach diesem kurzen sonnigen Teil grollten sich leider erneut dunkle Wolken zusammen, und es regnete und regnete und regnete…


Auf unserer Fahrt nach Florenz legten wir einen kurzen Stop in Borga a Mozzano ein, denn die irre steile Fußgängerbrücke, die im unteren Teil gleichzeitig eine Eisenbahnbrücke darstellt, wollte ich mir unbedingt noch anschauen. Leider lud der Regen nicht zu einem Spaziergang über diese Brücke ein.

In Florenz angekommen, war noch einmal volle Konzentration gefragt. 6 km mit dem Auto durch die Stadt bis zur VillaRampe, die direkt am Fuße der Piazza MichelAngelo lag. Die Hausherren waren zwar nicht anwesend, aber sie hatten für unser Kommen alles Wichtige vorbereitet, und so konnten wir uns auffrischen, Fred in die rechte Parkposition bringen und loslaufen.


Von der Piazza MichelAngelo hatten wir einen super Blick auf die Stadt mit ihrer Ponte Vechhio und dem Dom und den Uffizien und und und. Wieder unten angekommen, liefen wir im Regen zum Dom und versuchten trotz des nasskalten Wetters irgendwie die vielen schönen Bauten zu genießen. Schließlich suchten wir eine Trattoria auf und genossen erstmals die leckeren Speisen und natürlich den VinoRosso der Toskana, bevor wir durch die dunkle Nacht zu unserem Schlafplatz trotteten.

Auch am nächsten Morgen, 03.05.2014, klingelte frühzeitig der Wecker. Nach einem spärlichen Frühstück fuhren wir ins Chianti Richtung Siena. Wunderbare Straßen schlängelten sich ihren Weg durch die immer noch verregneten (Wein-)Berge. Und so konnten wir diese – wahrscheinlich – wunderschöne Gegend weder sehen noch genießen. In Siena wiederholte sich das Parkplatzproblem. Alle Parkhäuser waren „completed“. Doch wir hatten Glück und fanden sogar einen kostenfreien Platz für Fred auf einer der unteren Straßen.


Auch Siena ist im Kern sehr schön – klar, alle Städte ähneln sich irgendwie – und doch hat jede Stadt ihren eigenen Reiz.


Mich begeisterte hier am meisten der „Sträflings-„Dom. Und wieder gab es in dem kurzen trockenen Moment ein Eis, bevor wir durch den Regen in Richtung Montepulciano fuhren.

In Montepulciano angekommen, konnten wir wegen des starken Regenschauers nicht aussteigen, so dass wir erneut drehten und unser 3. Nachtlager, diesmal in Pienza, ansteuerten. Der gebuchte Parkplatz war leider nicht zu sehen, und so checkten wir ersteinmal im 4*Bunker ein. Dort hieß es nur noch „Silvano parkt Ihr Auto ein. Silvano trägt Ihnen die Koffer aufs Zimmer. Silvano macht. Silvano tut“… Aha…
Nach dem Auffrischen im riesigen Zimmer und dem Km-Lauf von WC zum nächstgelegenen Waschtisch liefen wir erneut los, um uns die Stadt Pienza mit ihrem herrlichen Duft nach Pecorino (SchafsKäse) kennenzulernen.


Süßes kleines Städtchen mit wunderschöner Aussicht auf umliegende Dörfer und Landhäuser. Direkt an der alten Stadtmauer kehrten wir ein in ein Restaurant und genossen erneut toskanische Speisen und toskanischen Wein, um dann in das große Schlafgemach zu plumpsen.

Am Morgen des 04.05.2014 brauchten wir keinen Wecker. Ich war lange vor der Zeit wach, denn ich wollte den Sonnenaufgang und die Nebelschwaden der Toskana miterleben. Doch leider hatte ich (wie so oft) Pech. Es gab weder Sonne noch Nebelschwaden. Und so machte ich das Schlechtwetter trotzend einen gediegenen Spaziergang in aller Frühe. Auch die übrigen Gäste brauchten keinen Wecker, denn der 4*Bunker hielt es für nötig, seine Gäste bereits um 7 Uhr mit klassischen Klängen auf dem Flur wachzududeln.


Nach einem ziemlich guten Frühstück fuhren wir diverse Landhäuser und schicke Straßen in der Toskana ab, bevor wir in Richtung San Gimigiano abbogen. Dort angekommen, nutzten wir den ShuttleService vom Parkplatz in die Stadt, nachdem ich mehrfach auf dem Parkgelände kurven musste, bis ich einen Parkplatz für Fred fand. In die vorher gesichteten Parkplätze passten lediglich kleinere Kleinstwagen.


Die Stadt San Gimigiano ist nicht wirklich groß, groß bzw. hoch sind lediglich die vielen Geschlechtertürme. Nett anzuschauen sind die vielen Gassen abseits des gut besuchten Hauptweges. Auf der Piazza kosteten wir das Eis vom World Champion, der höchst persönlich vor seinem EisLaden stand und sich und sein wirklich leckeres Eis entsprechend feiern ließ. Nach einem ausgiebigen Stadtbummel fuhren wir über viele Serpentinen in Richtung Meer, Viareggio – unserem letzten Nachtlager. Auf dem Weg dorthin konnten wir sogar noch den schiefen Turm von Pisa bewundern. In Viareggio angekommen kamen wir aus dem Staunen und Bewundern nicht mehr heraus.


Die VillaTina war äußerlich eine schöne alte gepflegte Villa direkt am langen Strand. Im Inneren jedoch war sie ein Schatz. Ein kleines Schloss. Ein Museum. Unser Gemach mit Blick aufs Meer – ein Traum. Nach dem Auffrischen ging es direkt auf die Meile, „Sehen und gesehen werden“ war hier das Motto, von dem wir nun ein ungewollter Teil waren. Wir stromerten Richtung Hafen und genossen dort recht lang den Sonnenuntergang, bevor es uns wieder auf die nun sich leerende Meile Richtung Restaurant zog. Nach einer ersten italienischen Pizza und gutem Rotwein sowie einem weiteren Stadtbummel kehrten wir wieder ein in unser bezauberndes altertümliches Gemach und schliefen wie die Prinzessinnen.


Zum Geburtstag am Morgen des 05.05.2014 stand auf dem riesigen vielseitigen Frühstücksbuffet sogar ein fluffiger „Geburtstags“kuchen, den ich mir schmecken ließ. Nach weiteren vielen Momenten des Bewunderns im Frühstücksraum und NebenRäumen und dem AusChecken endete unsere Toskana-Rundreise nach weiteren 9 Stunden Fahrt daheim im Süden Deutschlands.

Fazit: im Mai ist die Toskana grün; nicht rot, nicht bunt. Und nass. Schön war es trotzdem. Und wir (als auch Fred) sind völlig ohne Blessuren, dafür aber mit vielen Marmorspuren und Erinnerungen zurückgekommen.

2 thoughts on “Und die Zeit läuft weiter…

  1. Dank eDanke für die tolle reise durch Italien.Na der Kuchen sieht ja richtig lecker aus. 🙂

  2. Der Kuchen war noch warm, im Kern noch flüssig. Phantastisch.

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