Mit Schrecken erwachte ich aus der Tiefschlafphase – ich hab verschlafen! Blick zur Uhr – zu dunkel. Ich kann nichts erkennen. Blick aufs Handy – 23.58 Uhr. Puh, ich hab nicht verschlafen, habe noch genug Zeit zum Dösen. Mein Wecker klingelte um 1.35 Uhr – mit einem Hopser aus dem Bett gesprungen, duschen, Kaffee kochen, trocknen. Den J. wecken. Mit einem „boah, wie überpünktlich“ begrüßt worden. Kaffee trinken. Anziehen. Auf nach Frankfurt. Die Autobahn war unspektakulär – leer. Am Terminal 1 ein kurzes „tschüß“, das Parken ist nur 10 min. kostenfrei. Außerdem wollte er vor dem allmorgendlichen Verkehrschaos der Pendler daheim sein, verständlich. Im verwaisten Terminal 1 herumgegeistert, denn die Schalter waren noch nicht besetzt. Also warten. Irgendwann kam Leben in den Flughafen von ankommenden Reisewilligen. Richtung Schalter geschlendert. Ein schlecht deutsch sprechender Mensch fragte „Bordkarte?“ – ähm, hab ich noch nicht. Ich wollte am Schalter einchecken, wozu war das Personal denn da? Dieser Mensch sehr unfreundlich: „Bordkarte holen!“ und deutete auf die Automaten. Okay, keine Schalter-Menschen mehr. Zum Automaten, die Anweisungen befolgt. Man musste fix sein, es gab für alle Vorgänge nämlich ein Zeitlimit – beim ersten Mal war ich zu langsam. Die Frage „Sprechen Sie Deutsch oder Englisch?“ mit *ja* beantwortet. Die Aussage zum Handgepäck überflogen, 2 Bordkarten (FRA-OSL und OSL-TSO) wurden ausgespuckt. Wieder zum Schalter-Menschen, Bordkarte gezeigt. Er deutete zum Gepäck-Automaten. Aha, auch hier gibt es keine Angestellten mehr. Den Anweisungen des Automaten gefolgt: BoardingPass auflegen. Gepäck wiegen. Bandarole ziehen und ans Gepäckstück kleben. Quittung ziehen. Fertig. Doch so einfach war es dann doch nicht, ich kam nur bis zum Wiegen. Alle Schritte – wieder mit Zeitlimit – befolgt und als Antwort kam: „Gepäckaufgabe nicht möglich“. Noch einmal. „Nicht möglich“. Noch ein Versuch „Nicht möglich“. Es ging einfach nicht. Aber ich hatte doch 1 Gepäck frei? Zu einem anderen Automaten gegangen. Der Schalter-Einlasser mich böse angeschaut. An dem anderen Automaten ging es, ich bekam die Bandarole. Fertig, der Koffer rollte los…. und blieb hängen. Na so kommt der niemals nach Oslo. Zum Schalter-Menschen zurück, ihm gesagt, dass das Köfferchen festhing. Ein böses verzweifeltes Gesicht wurde aufgesetzt. Scheinbar war er von mir genervt. Und von den anderen Reisenden, die ebenfalls auf die Automaten verwiesen werden mussten. Grrrr, kann ich doch nichts dafür, dass er so früh aufstehen und arbeiten muss bzw. gerade nicht in den Urlaub fliegen kann… Ich wartete bei meinem hängenden Köfferchen, bis dann ein weiteres schlecht deutsch sprechendes Menschlein kam und den Koffer auf die rollende Bahn brachte. Okay, ich hoffte, ich würde das Köfferchen in Oslo wiedersehen und lief weiter durch das Terminal zum Kaffeetresen. Vor mir standen 4 Menschen mit Getränkewünschen. Eine Flughafenangestellte fragte mich in gebrochenem Deutsch, ob ich sie vorlassen könne, sie wäre im Dienst. Klar doch, ich hab Zeit und freundlich bin ich ja eh. Als ich endlich dran war und eine Flasche Cola bestellte, sagte mir der Tresen-Mann in arg schlechtem Deutsch, ich solle mir die Flasche selbst aus dem Kühlschrank holen. Okaay… also hinter den Tresen zu ihm an den Kühlschrank geschlichen, eine Flasche herausgeholt, mich wieder vor den Tresen gestellt, gewartet, er hatte natürlich schon den nächsten Kunden drangenommen, klar. Bezahlt und raus. Wo bin ich? War ich schon längst geflogen? Hab ich vor lauter Aufregung gar nicht registriert, dass ich schon längst im Ausland war? Nein, überall war zu lesen: Frankfurt. Flughafen. Warum spricht hier nur niemand meine Sprache oder wenigstens gutes Englisch? 

Noch einmal raus an die frische Luft. Dann zum Gate. A30. Ewiger Fußmarsch zum allerletzten Ende des Terminals. Hier darf man es wirklich nicht eilig haben. Pünktlich Boarding. Na toll: mein BoardingPass ließ mich an der Schranke auch nach x-maligen Versuchen nicht durch. Zum Schalter wurde ich von einem Angestellten wortlos begleitet. Ich hab einen Notausstiegsplatz. Das bedeutete, dass ich den Gate-Menschen noch einmal bestätigen musste, dass ich der deutschen oder englischen Sprache mächtig wäre. Ich bin es schon, wenn das hier auf dem Flughafen doch mal alle wären. Nach dem Beweis, ich kann deutsch und englisch, durfte ich auch durch den Schlauch in den Flieger. Schön am Fenster, also am Notausstieg mit ordentlich viel Beinfreiheit meinen Platz eingenommen. Die Stewardess fragte mich in bestem Deutsch, ob ich deutsch oder englisch sprechen könnte. „Ja, Sie auch, wie schön!“. Okay, dann bekam ich eine Einweisung, wie ich die Tür aufhebeln sollte, sobald mich der Pilot ein 2. Mal dazu aufgefordert hätte. Moment mal: sie sagte es so, als würde der Pilot dies auf jeden Fall tun. Hey, ich dachte, nur im Notfall?! Der Flieger war recht leer. In jeder 3er Reihe saßen nur 2 Passagiere, also immer mit einem freien Platz dazwischen. Neben mir saß eine junge Asiatin. Wir lächelten uns an, schwiegen. Sie sah sehr konzentriert aus, Flugangst? Ich tippte in Gedanken auf Philippinin. Abflug. Auf Höhe kam der Servicewagen angerollt „Sandwich oder Brownie?“ Ich entschied mich für Kaffee, Sandwich und O-Saft. In Bezug auf den Service im Flieger mag ich LH-Flüge! Nach dem Essen, als mir die Asiatin zeigte, dass sie ihr Sandwich nicht schaffen würde, kamen wir beide ins Gespräch. Ayleen aus Cebu/Philippinen. Sie war das erste Mal auf großer Reise für 21 Tage, allein und mit vielen turbulenten Ereignissen bislang. Wir plauderten, lachten, und ich versprach auf Ihr mehrmaliges Bitten, dass ich sie mit zum BaggageReclaim und zum Ausgang nehmen würde. Und schwupps, war der Flug auch schon vorbei.

Wir liefen unsere ersten Schritte zusammen in Oslo. Unterwegs begegneten wir einem auf den Hintertatzen stehenden ausgestopften Eisbären und einem Rentier. Ihre fragenden Blicke beantwortete ich „ja, das sind die Originalgrößen von diesen Tieren!“. So süß, in dieses verwunderte Gesicht zu sehen 🙂 Unsere Koffer kamen auf dem Rollband nebeneinanderliegend an. Vor der Zollschranke fragte ich sie, ob sie etwas zu verzollen hätte. „Was ist Zoll?“ Ich – der ErklärBär. Sie hatte nichts zu verzollen, und so gingen wir gemeinsam zum Ausgang, vor deren Tür ein Freund von ihr wartete. Wir verabschiedeten uns herzlich mit einer Umarmung. Bye bye.

Anschließend habe ich den Airport Oslo erkundet, mein Gepäck neu eingecheckt, gewartet, geschaut, immer wieder mal eine Runde gedreht, Geld gezogen, getrunken, geraucht.

Kunst und so…

Dann zum CheckIn, wollte sehen, was hinterm Zoll so war. Also meine Jacken ausgezogen und 3 Kisten gepackt. Mein Rucksack fuhr natürlich eine Ehrenrunde, nachdem die Angestellte ihn nach der Bitte um Erlaubnis auspackte. Klar, warum sollte heute auch etwas gleich beim ersten Mal klappen? Dann ewige Flure und Fahrwege zum Gate B4. Dort angekommen, fuhr ein personenloser Staubsauger durch die Gegend. Per Blinklicht bat er freundlich darum, durch- bzw. vorbei gelassen zu werden. Bei Menschenandrang legte er auch schon mal einen Rückwärtsgang ein und verlor dabei etwas vom vorher aufgesaugten Schmutz – sehr lustig anzusehen.

In Tromsø angekommen direkt den Weg zur Gepäckausgabe genommen, das Köfferchen kam recht zügig angerollt. Während die anderen Passagiere hilflos in der Gegend herumstanden und erst erkunden mussten, wohin sie müssen, um den Flughafen verlassen zu können, bin ich ins Tiefgeschoss, quer über den Parkplatz, hoch auf die Straße zur Haltestelle gelaufen, wo schon ein Linienbus auf mich wartete. Eingestiegen, losgefahren. Aus dem Fenster sah ich noch, wie die anderen Passagiere alle in den teuren Flughafen-Shuttle einstiegen. Nee, ich kenn mich hier aus, das Geld kann ich sparen! In der Stadt angekommen, lief ich zum Hotel und traf zeitgleich mit A. im Foyer ein. Na, das hat doch alles prima geklappt, herzliche Begrüßung.

Rauf aufs Zimmer, kurz ankommen, warm angezogen war ich bereits. Gegen 17 Uhr die von A. besorgten Spikes untergeschnallt (durch das Tauwetter war es überall eisig glatt) und zu den „Pastafabrikken“ geschlendert, eine leckere Tomatensuppe gegessen, den Flüssigkeitshaushalt mit Wasser aufgefüllt und anschließend zum Treffpunkt für unsere NorthernLightsTour gelaufen. Als wir in den Bus einstiegen, tanzte direkt über uns Lady Aurora in Tromsø. Was nun? Wollen wir überhaupt losfahren? Ja, wir fuhren nach Tromvik. Dort packten wir unser Equipment aus, fotografierten, staunten, waren voll in unserem Element.

Lady Aurora tanzte ewig und wundervoll. Das Campfeuer mit heißen Getränken und Essbarem sahen wir nur aus der Ferne. Wir wollten unsere Zeit damit nicht verschwenden. Wir wollten Aurora sehen, genießen, festhalten. Nach einigen Stunden fielen wir wieder müde in den Bus; natürlich war ich die Letzte, die vom Fjord zum Bus hochkraxelte – und das nur auf Bitten von Guide Worry. 

Bei einem kurzen Zwischenstopp auf dem Rückweg entstanden weitere Bilder.

In Tromsø angekommen, tanzte Aurora noch immer.

Also Equipment am Hafen wieder aufgebaut, noch ein paar Schüsse NorthernLights und den Anblick genossen. Spät ins Hotel, die Fußbodenheizung hatte A. gut eingestellt, es war kuschelig warm. Bevor wir ins Bett fielen, hat uns A. noch eine weitere Tour für den morgigen Tag gebucht. Gute Nacht Tromsø.

3 thoughts on “Nordlichter und Wale – Tag 1 – Anreise

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