Eigentlich hätten wir an diesem Morgen ausschlafen und uns viel Zeit lassen können, denn den Parkplatz P2 musste man erst um 10 Uhr verlassen (oder bezahlen), doch wir waren wieder zur selben Zeit beim Kellerfrühstück. Und wie jedes Mal dort bestand mein Frühstück aus mehreren Säften, Rührei mit Schinkenspeck, Obst und einem Kuchen. Aufgrund der Wetterlage und dem zu hohen Risiko, dass einige Straßen gesperrt würden, schmiss ich meinen schönen SnaefellnesPlan über den Haufen und organisierte im Kopf Plan B, die Rundreise über die Halbinsel Reykjanes – der Halbinsel, die in der letzten Woche einige Erdbebenschwärme aushalten musste (244 Erdbeben in 48 Stunden am letzten Wochenende!), die jedoch wettertechnisch für den heutigen Tag wesentlich besser zu befahren war. Woher ich das wusste? Ich hatte natürlich die wichtigsten Apps für die Straßen und die Sicherheit in Island auf meinem MobilePhone (road.is und savetravel.is) geladen.

Von Reykjavik ging es mit dem DDuster zuerst auf die 49 Richtung Airport Keflavik. Ein komisches Gefühl, denn am nächsten Tag bzw. in der folgenden Nacht würden wir dieselbe Strecke zum letzten Mal fahren. Unser 1. Stop war der Graben zwischen der amerikanischen und der eurasischen Kontinentalplatte.

Unglaublich, dass sich die Kontinentalplatten kontinuierlich ca. 2 cm/Jahr voneinander entfernen. Während der Mitreisende die Aussicht von der „Brücke zwischen den Kontinenten“ genoss, lief ich auf dem schwarzen Lavasand zwischen den Platten umher. Total schön auch, dass wir so ganz ohne andere Touris waren! Als ich so allein den Graben bis zum Ende lief, stand ich vor einem breiten (frischen!) Erdriss. Oh nee, heute war kein guter Tag für die Hexenverbrennung, und so beeilte ich mich, zum Parkplatz zurück zu kommen 😀 Als wir im DDuster saßen, fiel uns auf, dass es zwar arg stürmte, es aber während unseres Aufenthaltes hier draußen überhaupt nicht geregnet hatte. Yippih!!!

Die Fahrt ging auf einsamer Straße weiter, bis wir schon von weitem große Rauchwolken sahen und den faule Eier Schwefelgeruch wahrnahmen. Den süßen Leuchtturm ließen wir Leuchtturm sein und steuerten den DDuster direkt in die Schwefeldämpfe. Wir bestaunten die Hot Springs von „Gunnuhver“. Auf dem Weg zurück zum Auto überraschte uns ein Hagelsturm. Aua! Jedes einzelne Korn tat verflixt weh, da der Wind uns den Hagel waagerecht ins Gesicht peitschte.

Bei bestem Wetter zogen wir weiter über die Straßen, nur ganz selten hatten wir Gegenverkehr. Scheinbar hatte ich intuitiv richtig geplant: während alle Touris wohl im Uhrzeigersinn ihre Rundreise starteten, begannen wir genau entgegengesetzt!!

Am „Brimketil“, einem hot Spring Pool, donnerten die Wellen des Atlantiks weit hoch über die Klippen. Es war wahnsinnig laut und atemberaubend anzusehen. Leider peitschten nach kurzer Zeit nicht nur die Wellen zu uns hoch, nein, wir bekamen auch wieder ordentlich nass von oben ab. Während der Weiterfahrt schmeckte ich noch lange den salzigen Belag des Atlantiks auf Haut und Lippen.

Am Geothermalbecken angekommen (die berühmte „BlaueLagune“ ließen wir bewusst aus), schneite es noch kurz und heftig, dann aber ließ uns das Wetter, vom Wind mal abgesehen, vorerst in Ruhe, und so liefen wir den kompletten Rundweg von Seltún ab und bestaunten die irre Farbenvielfalt.

Überall brodelte und ploppte das Stinkezeugs. Wegen des SonneWolkenMixes kamen die Farben noch schöner zur Geltung.

So schön kann Island also sein. Heute erlebten wir tatsächlich das typische Islandwetter. Der Isländer sagt: „Wenn Dir das Wetter nicht gefällt, dann warte einfach 15 Minuten, dann ändert es sich wieder!“ Ja, genau so war es heute: Regen, Sonne, kleiner Hagel, Sonne, Schnee, großer Hagel, Schneeregen – alles mal mit und mal ohne, mal mit mehr oder mal weniger Sturm. 

Von Seltún aus wollten wir zum „Kleifarvatn“, und kamen an diesem Herzberg vorbei, an dem verbotenerweise ein kurzer Stop sein musste – wir waren ja eh allein.

Kurz darauf wurden wir von einem Schneesturm überrascht. Binnen kurzer Zeit war alles weiß, vom See und seinem einzelnen Felsen (auf dem Foto hinter dem Straßenschild) war nichts mehr zu sehen, und so traten wir die bummelige Rückfahrt nach Reykjavik an. Wir krochen durch die Berge und durch den Schnee. Zum Teil konnte man nichts mehr sehen, und so gab es auf dem ‚Highway‘ zwei arg brenzlige Situationen…; zum Glück ist aber alles gut gegangen.

In Reykjavik fuhren wir zum „Ellidavatn“, doch wegen des Hochschnees und dem lausigen Wind dazu war von diesem wunderschönen See leider nichts zu sehen und ein Café mit Blick auf diesen See gab es ebenso nicht. Schade.

Zurück in der Stadt parkten wir den DDuster an der Halgrim. Das Wetter war gerade von oben klar und trocken, da würde sich ein Blick von der Halgrimskirkja sicher lohnen. Aber der Zutritt blieb uns natürlich verwehrt – heute nur für Konzertbesucher geöffnet  🙁  Pech oder Pech?

Gegenüber der „Halgrimskirkja“ befand sich ein süßes Café. Und da es wieder piselte, kam es uns für ein Kaffeepäuschen sehr gelegen. So forsch ich die Tür zum „CaféLoki“ öffnete und das einfache, aber nette Interieur wahrnahm, so fix schloss ich die Tür auch wieder. Kaffee und Kuchen bei stechendem Fischgeruch? – nee, das ging mal gar nicht. Also nahmen wir den längeren Weg inkauf und besuchten die von mir eh favorisierte Bäckerei. Hier gab es zwar nur einen Kaffee in Pappbechern und den aus Platzgründen auch nur im Stehen, ABER es war eine so süße Bäckerei: Sie roch von weitem schon so, wie früher die Bäckereien dufteten. Sie sah aus wie ein Bäckerladen aus meinen Kindertagen. Und die ApfelZimtSchnecken frisch aus dem Ofen waren ein Traum. Sie wurden dem Bäckermädel förmlich vom heißen Blech entrissen.

Hmmm, leckere heiße ApfelZimtSchnecken. Wären sie nicht sooo heiß gewesen, hätte ich mich nicht bremsen können und mindestens drei vertilgt. Irgendwie bereue ich es jetzt beim Schreiben, dass ich mir nicht eine Wegzehrung mitgenommen habe 😀

Von der Bäckerei aus stiefelten wir den Berg hinauf zur Halgrim, um den DDuster zu holen und ihm einen guten Ruheplatz zu suchen. Diesmal fanden wir einen Parkplatz ganz in der Nähe des Hotels am P1. So brauchten wir in der Nacht unser Gepäck nicht allzuweit zu eseln.

Wir spazierten zum Hafen bei bestem Wetter, klar, der Sturm zog mit uns. Kaum dem Hafen den Rücken gekehrt, begann es wieder zu schneien.

Noch einmal besuchten wir die „Harpa“ und staunten diesmal im Inneren über diese Glasfassade.

Durch die Stadt stöberten wir entlang der Seitengassen zum Rathaus und dem Stadtsee.

Schöne Spiegelungen waren für einen Augenblick zu bewundern. Kurz darauf blies der Wind wieder so sehr, dass das Wasser ‚blind‘ wurde.

Im „Laundromat“ gönnten wir uns ein letztes “AbendMahl‘ mit ChiliConCarne auf Pommes überbacken. Ungewöhnlich, aber lecker. 

Im Hotel packten wir unsere Klamotten und versuchten, zu schlafen. Für die Nacht waren die Nordlichter zwar angesagt, aber nicht zu sehen.

Keine Aurora: Wolken. Regen. Sturm.

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