In einer Zeit, in der Bildschirm-Telefonate geführt werden können, kleine Blechdosen auf fast alles eine mehr oder weniger gute Antworten finden, Türen, Jalousien und Heizungen ferngesteuert nach Belieben reagieren, Autos warnen, wenn die Spur nicht gehalten wird, Staubsauger und Rasenmäher ihre Arbeit ohne menschliche Hand verrichten und vieles mehr, ist man nicht mal mehr in der Lage, einen normalen Einkauf zu tätigen. Milch, Eier, Mehl, Nudeln und ToiPaper (!) sind Raritäten geworden.

Seit 2,5 Wochen versuche ich, unseren Nichtbestand (!) an ToiPaper aufzufüllen. Heute war der Mitbewohner deswegen weit mehr als 50 km in allen auf dem Weg befindlichen Märkten erfolglos unterwegs. Unglaublich!

Als ich nach dem Job in einem neu eröffneten Drogeriemarkt, in dem das ToiPaper allerdings auch schon vergriffen war, wenigstens noch zwei Päckchen Kosmetiktücher als ToiPaper-Ersatz erstehen konnte, war ich beruhigt, denn auch dieses war in der letzten Zeit nirgends aufzutreiben.

Zu Hause angekommen, bemerkte ich aus dem Augenwinkel, dass vom Parkplatz des Supermarktes gegenüber ein LieferLKW fuhr. Ob der wohl ToiPaper geliefert hat? Auf dem Balkon sitzend beobachtete ich den Eingangsbereich. Anfangs kam kein Kunde heraus. Doch dann… erschien ein Mann mit einem Paket, was dem eines ToiPaper ähnelte. Und gleich noch einer. Konnte das sein? Durch das Fernglas blickend vergewisserte ich mich, um in der nächsten Minute in meine Klamotten zu springen und das Haus Richtung Supermarkt zu verlassen. Im Laden lag nirgends ToiPaper im Regal. Hä? Eine Verkäuferin zuckte auf meine Nachfrage die Schultern. Dann kam mir eine Kundin entgegen, in deren Einkaufswagen das ersehnte ToiPaper lag. Leise und höflich fragte ich sie und erhielt DEN Tipp: gleich darauf suchte ich mir einen Verkäufer in der Nähe des Lagers und bat schüchtern freundlich um die Herausgabe eines Pakets… und …. bekam eins 🙂  Ich fühlte mich wie nach einem Sieg im nicht gewinnbaren Staffellauf.

Es ist mir völlig egal, ob 2-, 3- oder 4-lagig!!

Daheim feierten wir diesen hartnäckigen Kampf.

Von Caro kam ein „Herzliches Glückwunsch“, darüber mussten wir beide herzhaft lachen, obwohl es eigentlich so traurig ist… Willkommen in der Realität in 2020 🙁

Viele Einrichtungen sind geschlossen, in den öffentlichen Ämtern halten zum Teil nur noch die Sekretärinnen die Stellung. Verkäufer/innen müssen sich anpöbeln lassen. Krankenschwestern und Pfleger müssen trotz Kinder daheim im Akkord schaffen.

Großen Dank an all die Helden des nicht mehr normalen Alltags, die sich in dieser schweren Zeit um die Pflege bedürftiger und kranker Menschen kümmern, aber auch an die Verkäufer/innen, die sich dem täglichen Chaos stellen müssen.

Vielleicht sollte die Politik (aber auch jeder Einzelne) sich mal darüber Gedanken machen, dass uns gerade diejenigen „den A…. retten“, die in unserer Gesellschaft mit dem gringsten Gehalt nach Hause gehen!!

4 thoughts on “Was für Zeiten….

  1. Ein schöner Bericht! Ich schließe mich der Danksagungen für die Helden von heute an!

    Ich könnte noch immer mit dem Kopf schütteln, was das Toipapier angeht.

  2. Glückwunsch zum Fang! Bleibt alle gesund und munter auch wenn alles so ziemlich mau scheint.
    LG von der anderen Seite der BAB…

  3. Ja, das TP-Problem ist echt hausgemacht, weil es zu viele Idioten gibt, die es nicht kapieren, daß hamstern nicht notwendig ist – sondern daß man mit diesem Verhalten nur anderen schadet. Schön, daß Ihr noch welches erhascht habt. Ich habe diese Woche auch eine Packung Kleenex mitgenommen. Nicht, weil ich sie dringend brauchte, sondern, weil sie da war. Wer weiß, ob ich welches finde, wenn ich es brauche.

    Bleibt alle gesund, Andrea

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